Aktuelle Sonderausstellung
Vogelkunst − Kreative Vielfalt
Unsere heimische Vogelwelt fasziniert mit einer Fülle an Arten, Formen, Farben und Verhaltensweisen. Diese Vielfalt hat schon viele Künstler in ihrem Schaffen inspiriert. Einer dieser Künstler ist Prof. Dr. Wilhelm Nothdurft. Seit seiner Kindheit malt und zeichnet er Vögel, die ihm im heimischen Garten oder auch auf Reisen begegnen. Als Autodidakt hat er sich unterschiedliche Techniken selbst erarbeitet und in fast 80 Jahren eine Vielzahl an Szenen auf Papier festgehalten.
Eine Auswahl dieser Bilder wird in unserer neuen Sonderausstellung zu sehen sein, von der schnellen Feldskizze bis hin zum liebevoll ausgearbeiteten Aquarell. Dargestellt werden verschiedene Vogelarten in unterschiedlichen biologischen Zusammenhängen, sei es die Futtersuche oder das Sonnenbad. Es ist nicht nur eine Einladung die Kunst zu genießen, sondern auch diese Szenen draußen, in der freien Natur zu beobachten. Keine Unmöglichkeit, denn viele der Bilder entstanden im Ulmer Stadtteil Söflingen, also quasi direkt vor unserer Haustür.
Darüber hinaus werden die Werke von Prof. Nothdurft ergänzt durch kreativ zusammengestellte Fotokollagen der Schmuckdesignerin Anna Reikher und kunstvolle Tierpräparate von Sophia Tegel.
Eindrücke aus der Ausstellung
Vom Pi(zza)-mal-Daumen-Energiehaushalt des Wintergoldhähnchens
Pizzen sind für gewöhnlich rund. Für den, der keinen Rand mag, ist das ideal. Keine mathematische Form besitzt weniger Rand im Verhältnis zur Innenfläche. Kennen Sie auch Pinsas? Diese sehen aus wie Pizzas, ihr Teig ist aber nicht hefig, sondern sauer, die Form rechteckig; ideal für den Verkäufer, denn er spart dadurch Belag ein. Wieso, das wissen Sie jetzt.
Auch in der Natur ist Sparen ein wichtiges Prinzip, vor allem von Energie. In den nördlichen Gefilden, wo es kälter ist, gilt es besonders bei den gleichwarmen Tieren, wie Vögeln und Säugern, Wärmeverlust an den Körperoberflächen zu vermeiden. Dazu ist natürlich die Kugelgestalt am besten geeignet (was in 2D gilt, gilt auch in 3D). Kugeltiere gibt es zwar nur im Film Rollin‘ Safari, in der Realität sind zumindest aber die Körperanhängsel wie Ohren oder Schwänze kleiner, als bei verwandten Arten näher am Äquator. Gegenläufig dazu verhält sich tendenziell die Körpergröße, die gen Pol zunimmt. So ist der Eisbär wesentlich größer als ein Braunbär. Physikalisch leuchtet das ein, denn das Volumen eines Körpers, und damit der wärmeproduzierende Teil, wächst kubisch, während die wärmeabstrahlende Oberfläche lediglich quadratisch zunimmt.
Daher erscheint es zunächst ziemlich unvorteilhaft, wenn es kalt ist und man selbst sehr, sehr klein und gleichwarm, wie ein Winter-Goldhähnchen, Beinahe-Kugelform hin oder her. Das Winter-Goldhähnchen ist mit seinen 5-6 g sogar die kleinste Vogelart Deutschlands, und trotzdem überwintert es bei uns, daher der Name.
Damit es nicht unterkühlt, weist es neben der Körperform weitere spezielle Anpassungen auf. Es produziert viel eigene Körperwärme, muss daher aber auch sehr viel essen. Es kann und muss sich zwangsläufig von Sachen ernähren, die auch im Winter verfügbar sind, was Standvögel von Zugvögeln unterscheidet. Wenn das Winter-Goldhähnchen gerade keine Nahrung sucht, befindet es sich im Energiesparmodus. Wird es z.B. durch eine Katze oder einen Marder aufgeschreckt, fährt der Energieumsatz auf das 15-30 fache des Ruheverbrauchs hoch, es verbraucht unnötig Energiereserven, relativ vergleichbar mit einem menschlichen 100 m Sprint, eventuell noch extremer. In seltenen Fällen könnte dies am Ende des Tages sogar über Überleben und Tod entscheiden, je nachdem wie viele Reserven das Tier noch hat.
Verglichen damit handelt es sich, wenn Sie die Wahl zwischen Pizza oder Pinsa haben, um ein reines Luxusproblem, das – häufig eintretend – zu einem weiteren, nämlich dem des Kugelbauches führen könnte. Und der ist beim Menschen unabhängig von der Temperatur immer ungesund.
Text: Cora Carmesin
Bild: Bernhard Wezel